Nach der Ausbildung noch ein Eventmanagement Studium
Beate Reuter hat nach Ihrer Ausbildung in einer Eventagentur noch eine Fortbildung zur Eventmanagerin gemacht. Anscheinend hat ihr das nicht ausgereicht, denn jetzt studiert sie an der Fachhochschule Gelsenkirchen Wirtschaft mit Schwerpunkt Freizeit-, Medien- und Kulturmanagement. Zu dieser Entwicklung hatten wir einige Fragen und die Diplom-Studentin war so nett, sie uns zu beantworten.
Beate, zunächst vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Woher kam deine Entscheidung, nach Aus- und Fortbildung noch einen akademischen Abschluss in Form eines Diplomstudiums anzustreben?
Durch die Ausbildung in einer Eventagentur bekam ich zwar einen ersten Einblick in die Eventbranche, allerdings schien mir das noch nicht genug. Zumal ich eine Ausbildung zur Werbekauffrau gemacht hat und somit der Schwerpunkt im schulischen Teil nicht unbedingt der Veranstaltungs- und Eventbereich war.
Im Internet liest man oft, dass Akademiker im Bereich Eventmanagement nicht richtig akzeptiert sind. Es heißt, es wird nach wie vor Wert auf eine klassische Ausbildung inkl. „richtigem Anpacken“ gewünscht ist. Du kennst nun beide Seiten. Was sagst du dazu?
Ich finde es absolut richtig und auch wichtig beide Seiten kennen gelernt zu haben. Ich bin absolut kein Theoretiker und bevorzuge „learning by doing“. So sind meiner Meinung nach eine Ausbildung oder Praktika unabdingbar, um zu sehen wie es in der Branche läuft. Eine Fortbildung oder ein Studium ergänzt die praktische Erfahrung bzw. rundet das Bild ab. Und ein akademischer Abschluss kann nie schaden. Allerdings ohne praktische Erfahrung vielleicht auch nicht viel nutzen.
Du hast sicherlich eine Hochschule gesucht, an der du die bereits erlangten Kenntnisse im Eventmanagement einbringen kannst, oder? Warum hast du dich für die FH Gelsenkirchen entschieden?
Zum einen wird der von mir gewählte Studienschwerpunkt Freizeit- Medien- Kulturmanagement mit Vertiefung Marketing an keiner anderen (mir bekannten) Hochschule in Deutschland angeboten. Ein weiterer Pluspunkt der FH Gelsenkirchen sind die Dozenten, die direkt aus der Branche kommen und somit wissen, wovon sie reden und ne Menge Erfahrungen im Veranstaltungsbereich haben.
Kannst du unseren Lesern einen Eindruck in den Studienverlauf geben? Wie läuft das Studium ab? Welche Schwerpunkte konntest du wählen? Wie ist die Betreuung vor Ort? Sind die Professoren und Dozenten vom Fach? Hast du viele BWL-Anteile? Gibt es kreative Anteile im Studium?
Das Grundstudium ist der langweilige Teil des Studiums, das geht 2 Jahre und beinhaltet typische Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen wie BWL, VWL, Steuern, Datenverarbeitung, Statistik und Recht. Interessant wird’s dann ab dem 5. Semester. Da kann man den Schwerpunkt Freizeit-Medien-Kulturmanagement dann wählen, mit einer Vertiefung, in meinem Fall Marketing. Das Hauptstudium geht noch mal 2 Jahre, inkl. einem Praxissemester, welches ich beim Radio gemacht hab. Auch hier ist also der Bezug zur Praxis wieder gegeben. Ebenso besteht die Möglichkeit ein Auslandssemester zu absolvieren, ich habe 5 Monate in Bangkok studiert.
Was sind die Inhalte speziell in deinem Schwerpunkt Freizeit-, Medien- und Kulturmanagement? Kannst du uns einige Beispiele für Vorlesungsinhalte geben?
Inhalte sind z.B. Mediaplanung, Medienrecht, Marketing, Kultur- und Freizeitwirtschaft, Kulturökonomie und Veranstaltungsmanagment. Bei Mediaplanung, Medienrecht und Veranstaltungsmanagment kommen die Dozenten direkt aus der Branche. So wurden im Rahmen von Medienrecht auch Exkursionen zu SternTV angeboten. Oder im Rahmen der Veranstaltungsmanagement-Vorlesung bot der Dozent uns die Möglichkeit eine Veranstaltung (Konzert) zu besuchen um so zu sehen und erleben, was in der Theorie erzählt wurde. Hier geht es z.B. um alle relevanten Erfolgsfaktoren und Risiken einer Veranstaltung, wie Inhalte der BGVC1, GEMA, Sponsoring, Ticketing und Merchandising.
Thema Skills: Wenn man in die Eventbranche möchte – welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Interesse an Musik und Veranstaltungen natürlich, überdurchschnittlich hohe Arbeitsbereitschaft und Belastbarkeit. Während meiner Ausbildung gab es zu Zeiten von Veranstaltungen nicht mehr als 3-4 Std. Schlaf. Organisationstalent und Teamfähigkeit, sowie Durchsetzungsvermögen.
Du hast ja schon einen Eindruck von den Jobs in der Eventbranche erhalten. Welche verschiedenen Möglichkeiten haben Absolventen solch eines Studiums und zu welcher Spezialisierung würdest du eventuell raten? In welchen Bereichen gibt es die besten und wo die schlecht bezahltesten Jobs?
Wo es die best bezahltesten Jobs gibt, muss ich nach dem Studium noch rausfinden. Bisher kenn ich nur die weniger gut bezahlten, und das sind wohl die meisten. Die Eventbranche ist eine schwierige und reich werden nur die Wenigsten. Wer also reich werden will, sollte einen anderen Schwerpunkt wählen. Ansonsten gibt’s viele Möglichkeiten nach dem Studium: in Event,- oder Werbeagenturen, in den Medien, beim Stadtmarketing, in Diskotheken, bei Mediaagenturen, in Marketingabteilungen großer Firmen, in Konzert- oder Opernhäusern…um nur einige Beispiele zu nennen.
Unsere letzte Frage: Kannst du ein Eventmanagement Studium empfehlen? Würdest du es wieder wählen?
Ich würde es jeder Zeit wieder wählen. Mir hat das Studium Spaß gemacht und das ist das A und O. Und ich bin mir sicher, dass ich trotz der schwierigen Lage auch einen Job finden werde, der mir genauso viel Spaß macht. Aber das werde ich in spätestens einem halben Jahr ganz genau wissen.
Beate, vielen Dank für die offene Beantwortung unserer Fragen und weiterhin viel Erfolg mit dem Abschluss deines Studiums und den kommenden Herausforderungen in der Eventbranche.

